"Ich spreche zum Papier". Josef Koranda (1933-2013): Schrift - Druck - Buch - Kunst.

Eine Ausstellung mit Arbeiten von Josef Koranda wurde am 21. März 2019 um 19:00 Uhr im Landratsamt Ostalbkreis in Aalen eröffnet.

Josef Korandas Werk ist vielseitig. So war er Grafiker und Maler, Schreiber, Drucker, Buchkünstler und Pädagoge. Dabei waren für ihn zeitlebens die pädagogische wie auch die eigene künstlerische Arbeit wesentlich.

Josef Koranda war leidenschaftlicher Pädagoge und sein Name ist unmittelbar mit der Schuldruckerei verbunden. So setzte sich der Kunsterzieher von 1971 bis zu seiner krankheitsbedingten Frühpensionierung im Jahr 1993 am Bildungszentrum St. Konrad in Ravensburg für die eigenständige Gestaltung seiner Schüler ein. Er war der festen Überzeugung, dass es beim Gestalten nicht darum gehe, etwas beizubringen, sondern darum, etwas aus der geistigen Natur des Kindes herauszuholen. Dabei begriff er das Gestalten als eine wesenhaft geistige Verrichtung und die Handschrift galt ihm als einziges Übungsfeld, auf dem der Mensch gestaltend tätig bleiben kann. Daher verbanden sich in Korandas Unterricht Schreiben, Schriftsatz, grafisches Gestalten, Schrift- und Bilddruck.
So durfte jeder Schüler bei ihm im ersten Schuljahr seine Erstlesefibel in eigenen Worten schreiben, drucken und mit seinen Ausdrucksmöglichkeiten illustrieren. Die von Koranda initiierte und betreute Schülerzeitung "HAMSTER" erhielt bereits 1973 den 1. Preis beim Wettbewerb des Verbandes der Druckindustrie Baden-Württemberg.

Hinsichtlich der eigenen künstlerischen Arbeit zeigt das Werk Korandas eine Leidenschaft zur Typografie, die sich im Entwurf verschiedener Schriften aus Holz, Linol und Karton niederschlug. Lebenslang beschäftigt sich er sich mit dem Zusammenhang von Schrift und Bild, studiert Piktogramme der Menschheitsgeschichte und bearbeitet das Grenzgebiet des Schreibens und Zeichnens u.a. mit seinen Studien des interpretativen Schreibens.

Darüber hinaus gab er in zahlreichen Veröffentlichungen, Vorträgen und Kursen seine Erfahrungen, Kenntnisse und Fertigkeiten an Erwachsene und Kinder weiter. Er entwarf ein "Skriptorium in der Schachtel", führte Lehrerfortbildungen und Schreibwerkstätten durch und berichtete von seinen Schulprojekten in Aufsätzen, z.B. in der kunstpädagogischen Vierteljahresschrift "Die Gestalt" und im Mitteilungsblatt des Arbeitskreises Schuldruckerei "Der Schuldrucker". Auch nach seiner Pensionierung arbeitete er täglich in seiner Druckwerkstatt und führte am Wochenende Kurse im Haus der Museumsgesellschaft in Ravensburg durch.

Ohne es zu wissen, ist vielen von uns das Werk Josef Korandas bekannt, denn so hat er zwischen 1961 bis 1989 zahlreiche Religionsbücher illustriert. Auch im Ostalbkreis hat Josef Koranda seine Spuren hinterlassen: So kam er 1946 nach Heubach-Lautern, absolvierte 1954 sein Abitur am Peutinger-Gymnasium in Ellwangen und ließ sich ab 1959 in Schwäbisch Gmünd am Pädagogischen Institut zum Lehrer ausbilden.

Die Ausstellung, die sowohl das künstlerische Werk Korandas als auch Schülerarbeiten zeigt, wird in Kooperation mit der Stiftung Literaturforschung in Ostwürttemberg Lautern und dem Schriftgutarchiv Ostwürttemberg Lautern veranstaltet.

Bis zum 10. Mai 2019 sind die Arbeiten Josef Korandas im Foyer der Landkreisverwaltung zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.